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Thailand

Chumphon Coronavirus Covid-19 in Thailand

Das thailändische Staatsgebiet auf der Malaiischen Halbinsel verengt sich südlich von Hua Hin auf knapp 20 km zur burmesischen Grenze. Die Ortschaften bis zum Isthmus von Kra liegen alle abseits des Highway Nr. 4. Das verlieh ihnen keinen Dornröschenschlaf, vermied aber Massentourismus. Abstecher lohnen sich.

Wir wollen nicht übertreiben wie viele Reiseführer und -berichte, die allenthalben von “Paradiesen” faseln. Die Autoren waren offensichtlich jahrelang nicht mehr im Land oder sind blind und blöd. Der verheerende Taifun vom Herbst 1989 hat tiefe Spuren hinterlassen, die immer noch nicht überwunden sind. Der Neuanfang forderte Zugeständnisse an Landschaft und Struktur. Viele Charakteristika wurden unwiderbringlich zerstört.

Prachuap Khiri Khan, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist ein verschlafenes Nest, malerisch an einer sichelförmigen Bucht gelegen, eingerahmt von bizarren Felsen. Von der einzigen Sehenswürdigkeit am Ende der Bucht schreibt Achille Clarac 1971:

“Dieser links von der Straße gelegene Berg, ist von einem natürlichen Torbogen durchbrochen, der von weitem wie ein Spiegel aussieht, und heißt deshalb Khao Chong Krachok (Spiegelberg).” Der Apa Guides macht daraus 1977: “Am Stadtrand von Prachuap erhebt sich zur Linken ein Hügel, der bei einem speziellen Licht einen Teil des Himmels zu reflektieren scheint.

Tatsächlich kann man durch einen natürlichen Felsen-Bogen den Himmel auf der anderen Seite des Hügels sehen.” Im “Loose” hat der Berg lediglich “ein Loch, das aus einiger Entfernung gut zu sehen ist,” und in einem Bericht in “Reisefieber 1/91” wandelt die Autorin nur Apa ab mit dem Hinweis: “…der bei bestimm-ten Lichtverhältnissen einen Teil des Himmels zu reflektieren scheint…” Von “Loch” bis “Reflexion” mag sich der geneigte Leser aussuchen, was ihm gefällt, sollte aber nicht vergessen, den Berg zu besteigen.

Wenn irgendwo in Thailand ein Deutscher mit seiner thailändischen Lebensgefährtin Bungalows anbietet, geraten deutsche Reiseberichte meist hemmungslos ins Schwärmen. Und unsere Küche scheint unübertrefflich zu sein. Aber wer fährt für Eisbein mit Sauerkraut nach Thailand? Etwa 6 km nördlich von Prachuap liegen an der Ao Noi Bucht die Ao Noi Beach Bungalows. Nach “Loose” gehört die Anlage Lothar und seiner deutschsprechenden Frau Pranom. “…direkt am Strand mit einfachen und komfortablen Räumen.

Im Restaurant werden außer Thai-Gerichten auch typisch deutsche serviert, sogar handgeschabte Spätzle.” Ich weiß nicht: Spätzle von einem Ostfriesen! “Reisefieber” flippt sofort wieder aus: “…und nach einer halben Stunde Fahrt halten die Rikschas vor einem großen Tor – es ist das Tor zum Paradies.” Und dann wird suggeriert: “…direkt auf einem menschenleeren, scheinbar unbe-rührten Strand mit Sand wie Puderzucker und kristallklarem, warmen Wasser – eine Bucht wie aus dem Bilderbuch.

…Im Garten laufen Hühner herum, ein paar Schafe, Hund und Katze, und auf der Leine flattert die Wäsche. Es ist wie Ferien auf dem Bauernhof, ein kleiner, intimer Familienbetrieb ohne Radio, Fernsehen und noch ohne Telefon.” Es ist ein angenehmer Rastplatz auf dem Weg nach Süden, mehr nicht. Der Strand ist naturbelassen und nicht jedermanns Sache. Aber Lothar verleiht ein solides Motorrad, mit dem man die Umgebung und den nahegelegenen Khao Sam Roi Yot Nationalpark besuchen kann.

Bis Bang Saphan und Chumphon wurde der einst dichte Dschungel durch das Unwetter arg gelichtet. Palmen-Plantagen wurden inzwischen ergänzt, Neupflanzungen angelegt, hier und da Lichtungen aufgeforstet. Die betroffenen Thais erhielten für den Wiederaufbau eines zerstörten Hauses von der Regierung einen Zuschuß von 10.000 Baht; das reichte nicht einmal für die Holzbeschaffung.

“Dieses Dorf, an dem die Eisenbahn hält,” sagt Clarac, den die meisten Reiseführer mehr oder minder geschickt abgeschrieben haben, “hat einen schönen, 6 km langen, halb-kreisförmigen Strand, der im Norden von einem dicht bewachsenen Vorgebirge, dem Khao Mae Ram-phung, und im Süden von der kleinen Insel Ko Thalu abgeschirmt ist. Ein Fischerdorf verfügt über Restaurants, in denen man im Freien im Schatten von Kokospalmen angenehm zu Mittag essen kann.”

Wer von diesem Bang Saphan noch etwas erleben möchte, muß sich beeilen. Zwar sind in den letzten Jahren für den Thai-Tourismus neue Bungalowsiedlungen und Resorts entstanden, aber der Bauboom setzte zwischen Dorf und Bucht erst richtig ein, als die Bauarbeiten für ein Stahlwalzwerk mit Hafen in Richtung Ao Bo Thonglang Beach begannen.

Heute haben die Restaurants entlang der Strandstraße ein internationales Flair: japanische, französische, italienische und natürlich thailändische Küche. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf Italienisch angesprochen werden. Der “pashah farang” ist zur Zeit Italiener. Der normale Sterbliche wird gefragt: “What’s the matter? How come you don’t understand?” wenn er die romanische Sprache nicht beherrscht. Denn mehr als 100 italienische Ingenieure und Stahlwerker prägen während der Bauperiode den “Fremdenverkehrsmarkt”.

Darum ist es bisweilen nicht leicht, ein Zimmer aufzutreiben, weil viele Räumlichkeiten fest angemietet sind. Aber in dem luxuriösen, mediterran anmutenden Haad Som Boon Seaview Hotel mit seinen sagenhaften Preisen – 1994 immer noch 400 Baht ac, 200 fan – findet sich meist ein Platz.

Die Stadt Chumphon selbst – Tor des Südens, wie sie sich in Eigenwerbung nennt – bietet keine touristischen Sehenswürdigkeiten. Denn mehr als ein Symbol für verkehrsmäßige Erschließung und aufblühenden Handel wollen wir in den drei alten Dampfloks vor dem schmucken Bahnhof nicht sehen. Die kleinste stammt noch aus der Zeit, als die Lokführer mit dem Zylinder grüßten.

Die Natur hat die gleichnamige Provinz reich ausgestattet, das Hinterland wird intensiv landwirtschaftlich genutzt: Üppige Plantagen mit allen Früchten Thailands, Gemüse und Gewürze in Hülle und Fülle. Naturliebhaber finden an 220 km Küste malerische, naturbelassene Buchten und Strände, 47 vorgelagerte Inseln, die zum Schnorcheln. Tauchen und Fischen einladen, Tropfsteinhöhlen und Wasserfälle.

Bei Erkundungen auf eigene Faust wird man auf manche Überraschung stoßen, aber für die Ausflüge wird man Fahrrad, Motorrad oder Auto anmieten müssen, um das vielfältige, von Ausländern kaum wahrgenommene Angebot halbwegs auszuloten.

Als Standort für Exkursionen ist die Thung Wua Laen Bucht etwa 16 km nördlich von Chumphon sicher gut geeignet. Im Garten des “Cabanas” haben sich die Bäume vom Unwetter einigermaßen erholt. Aber “von Insidern als Geheimptip gehandelt,” wird dieser schöne Strand schon lange nicht mehr. Deutsche Zeitschriften wollen einfach nicht wahrhaben, daß ein Geheimtip keiner mehr ist, wenn die Örtlichkeit in einem Reiseführer auftaucht.

Wenn man die Wochenenden wegen des Thaitourismus meidet, ist der Fleck eine Oase der Ruhe. Da der weiße Strand wie in Hua Hin sanft ins Meer fällt, ist er auch für kleine Kinder empfehlenswert. Von Februar bis Oktober – dann ist hier Saison – betreibt “Cabanas” an Wochenenden eine Tauchbasis; Touristengruppen – Thailand entdeckt den Naturschutz – sind nicht erwünscht, aber Einzeltaucher willkommen.

Die lange, vordergründig unscheinbare Küste von Hua Hin bis Chumphon glänzt nicht mit “spektakulären Highlights”, sie ist eher Individualisten vorbehalten, die nicht unbedingt Orte suchen, an denen “etwas los” ist. Wir haben gewiß das ein oder andere verwunschene Plätzchen vergessen, aber mit jeder Saison tauchen neue, erstrebenswerte Angebote auf, während vertraute Stellen überlaufen werden oder vergammeln. Auch diese Küste lebt – zum Glück noch ein wenig abseits vom Massenandrang, der auf Schiene und Straße Nacht für Nacht vorbeirauscht. Die Fahrpläne gelten anderen Zielen; darum ist es unbequem, aber lohnenswert, diese Gestade zu erreichen.

Wer es genauer wissen will: Der neue “Loose” ist auf dem Markt. Er ist sachlicher und noch informativer geworden, kriecht sozusagen in jede Ecke Thailands – auch in diese.

Heinz & Rainer Pollmeier

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