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Thailand

Hua Hin Coronavirus Covid-19 in Thailand

Schrill quietschen die Bremsen, als aus dem üppigen, tropischen Grün ein malerisch-verschlafener Bahnhof auftaucht. Dreieinhalb Stunden hat der Zug für die rund 230 Kilometer von Bangkok nach Hua Hin gebraucht. Die meisten Fahrgäste bleiben sitzen, wollen weiter in den Süden – nach Surat Thani, Krabi oder auf die beliebten Touristen-Inseln Phuket und Samui.

Doch wer bereits hier aussteigt, kann dem internationalen Ferienrummel entgehen und zwischen Thailändern in der angenehmen Atmosphäre eines traditionellen Küstenorts aus spannen.

Hua Hin hat sich den Charme und die geheimnisvolle Atmosphäre des einstigen Siams bewahrt. Im ältesten Seebads Thailands wird noch viel Thai und wenig Englisch gesprochen, bestimmen buddhistische Gelassenheit und einheimische Mentalität das Alltagsleben.

Und das soll auch so bleiben: Hua Hin hält auf seine romantische Tradition – wie schon auf dem Bahnhofsgelände durch eine sorgfältig restaurierte Dampf-Lokomotive und den spitzgiebeligen Fachwerkbau des königlichen Wartehäuschens deutlich wird.

Die rund 57.000 Einwohner große Stadt in der Provinz Prachuap Khiri Khan ist neben Pattaya der bekannteste Badeort am Golf von Thailand. Ursprünglich ebenfalls ein anonymes Fischernest gleicht Pattaya heute eher einem neonbeleuchteten, schrillem Rummelplatz grenzenloser Vergnügungsmöglichkeiten. Hua Hin jedoch blieb von dieser Entwicklung verschont, begnügte sich mit thailändischer Identität.

Die Reize dieser liebenswerten Kleinstadt sind ganz auf die Bedürfnisse einheimischer Touristen zugeschnitten und liegen im Genuß der wunderschönen Sonnenaufgänge, der stets kühlenden Seebrise, im Faulenzen und dem Schlemmen köstlicher Meeresfrüchte.

Der Legende nach wurde das besondere Ambiente Hua Hins bereits im Jahr 1910 während einer Hochwildjagd entdeckt.

Prinz Chakrabongse verliebte sich in die Naturschönheiten dieses Fleckchens Erde, ließ sich eine Villa bauen und eröffnete die aristokratische Mode, Ausflüge und Sommerferien am Meer zu verbringen. Der weitere Aufstieg Hua Hins war eng mit dem Bau der südlichen Eisenbahnlinie verbunden. Prinz Purachatra, Sohn des damals regierenden Königs und Direktor der Eisenbahn, ließ Anfang der 20er Jahre direkt am Strand das imposante “Railway-Hotel” errichten, das die touristische Ära Hua Hins einleitete.

Zuerst diente es als Quartier für die Bediensteten und Fahrgäste der thailändischen Staatsbahn. Später wurde aus dem viktorianischen Bauwerk mit seinen weißgetünchten Veranden und Galerien, das sich durch seinen besonderen, aus Britisch-Burma importierten Kolonialstil auszeichnet, ein Prunkhotel mit Tennisanlagen und dem ersten Golfplatz Thailands. Damals wurde es durchaus in einem Atemzug mit dem “Oriental” in Bangkok oder dem “Raffles” in Singapur genannt.

Die Zimmer hatten riesige Ausmaße, Ventilatoren an der hohen Decke – aber bis 1985 noch nicht einmal Warmwasser. Im Lauf der Jahrzehnte etwas heruntergekommen diente das Gebäude mehrfach als Filmkulisse. Unter anderem wurden hier Szenen des mehrfach prämierten Dokumentar-Spielfilms “The Killing Fields – Schreiendes Land” gedreht, der sich mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha beschäftigt. Nach einer umfassenden Renovierung bietet das heutige “Sofitel-Central-Resort” 216 modern und luxuriös ausgestattete Zimmer.

Die luftige, mit Rattan-Möbeln und Kunstwerken aus den 20er und 30er Jahren gezierte Lobby erstrahlt in altem Glanz. Gewiß würden Somerset Maugham und F. Scott Fitzgerald – könnten sie noch einmal in diesem Teil Asiens unterwegs sein – wieder hier logieren. Das Management jedenfalls wirbt unter dem Motto “Heute das Erbe von Gestern genießen”. Im 17 Hektar großen Hotel-Park finden sich neben Schwimmbädern, künstlich angelegten Bachläufen und einer ungeheuren Blütenpracht auch Buchsbäume, die auf das Format von Elefanten, Giraffen oder Nashörnern geschnitten sind.

Verlaufen kann sich in Hua Hin eigentlich niemand – schon gar nicht in der Dunkelheit. Denn am Abend ist der Nachtmarkt Mittelpunkt der Unterhaltung. Sobald die Dämmerung einsetzt, verliert die Dechanuchit-Road ihre Funktion als Verkehrsader. Einfache Handkarren werden im Nu zu perfekten Garküchen, Holzkohlegrills, kleinen Bäckereien, Creperien, Frucht- und Saftbars umfunktioniert.

Wo eben noch freie Plätze waren, sind aus herangeschobenen Klapptischen und Stühlen Freilicht-Restaurants entstanden. Wenig später kündet der dicke Schleier aus Essensdüften von einem kulinarischen Schlaraffenland, das die Menschen in Scharen anlockt.

Sich jeden Tag an zahlreichen kleinen und großen Mahlzeiten zu erfreuen, gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Thais, genauso wie “Bai Thio” – das ziellose Herumbummeln, Sehen und Gesehen werden. Zahlreiche Händler haben fein-säuberlich exotische Früchte aufgetürmt, kopierte Lacoste-Hemden ausgebreitet oder funkelnde Rolex-Imitationen ausgelegt. Besonders dicht umlagert werden die überfrachteten Stände mit Kunst und Kuriositäten aus Muscheln. Im ganzen Land beliebt sind diese kitschigen Souvenirs aus Hua Hin, doch westliche Besucher sollten sich damit vielleicht besser nicht zuhause blicken lassen.

Der Nachtmarkt ist die eine, der Hafenpier die andere Sehenswürdigkeit Hua Hins. Immerhin ist hier die zweitgrößte Fischereiflotte Thailands beheimatet. In den frühen Morgenstunden und abends laufen die Fischer mit ihren Booten ein, sortieren in Scheinwerferkegeln lautstark den Inhalt ihrer Laderäume. Gleich nebenan, südlich des Hafens, gruppieren sich schmale Gassen mit Holzhäusern zur Altstadt. Gemütliche, kleine Restaurants laden zum Verweilen ein, viele sogar auf Pfählen in das Meer hinausgebaut.

An den Eingängen preisen freundlich lächelnde Kellnerinnen Fische, Krebse, Garnelen und Muscheln an, die fangfrisch auf Eis liegen oder in großen Bassins auf ihren Verzehr warten. Was gibt es Schöneres, als hier im romantischen Meeresrauschen eine “Tom-Yam-Kung” zu löffeln – die säuerliche, feurige Thaisuppe, in der Garnelen zwischen Pilzen, Zitronengras, Koriander, Tamarinde und Chilischoten schwimmen.

In so manchem Straßenzug machen deutschsprachige Hinweisschilder – wie “Zur Bärenlaube”“Rolfs Aelpli-Bar”“Berlin-Cafe”“Nid’s Place” oder “Reisebüro Scorpion” – darauf aufmerksam, daß es in Hua Hin auch eine beachtliche Aussteiger-Gemeinde von Deutschen, Schweizern und Österreichern gibt. Und die pflegen sich – wie überall in Thailand – meist in der Gastronomie zu betätigen. Als neuestes hat in der Soi Ganjnomay 4/10 das “Norddeutsche Restaurant” – kurz “NDR” genannt – eröffnet. Das Koch-Paar Puk und Uwe Hofmeister wirbt mit langjähriger Berufserfahrung und herzhafter Kochkunst aus Hamburg um die Gunst der Urlauber.

Natürlich geht auch an Hua Hin die Zeit nicht spurlos vorbei. Noch in den 60er Jahren konnte das königliche Seebad als einziger Badeort Thailands bequem mit dem Zug erreicht werden. Aber Anfang, der 70er Jahre war zunächst der Ost-Highway ausgebaut worden, so daß die Touristenströme über Bang Saen nach Pattaya geleitet wurden und Hua Hin von den zweifelhaften Segnungen des Massentourismus verschont blieb.

Seit die Anfahrt von Bangkok durch eine vierspurige Erweiterung des Highways auf rund drei Stunden verkürzt wurde, hat sich Hua Hin zu einem beliebten Tagungs-Zentrum entwickelt. Außer dem “Sofitel” haben sich auch das “Melia”, das “Dusit Resort & Polo Club”, das “Royal Garden Resort” und das “Royal Garden Village” auf die neuen Besucherschichten (rund 30 Prozent der Belegung) eingestellt. Ganz neu im Rennen ist das “City Beach Resort”, das erst im August 1993 für 65 Millionen Baht mit 170 Zimmern errichtet wurde.

Doch der Bauboom hat auch in Hua Hin erbarmungslos zugeschlagen: An einigen Stellen wurden gigantische Appartement-Wohnanlagen (Condominiums) aus dem Boden gestampft, in die vor allem japanische Rentner einziehen sollen.

Trotz unübersehbarer Zuwachsraten pflegt Hua Hin auf seinen Ruf zu achten. Die qualmende Blech-Karawane, die sich zu Spitzenzeiten mitten durch das Stadtzentrum wälzt, war vielen eine Warnung. So wehrten sich die Hoteliers vor kurzem zum Beipiel gegen die Einführung von Motorrad-Taxis.

Nun werden wohl die altmodischen Fahrrad-Rikschas, die dem Charme des Orts angemessener sind und weniger Dreck und Lärm produzieren, als beliebtestes Transportmittel Hua Hins erhalten bleiben. Auch die Regierung in Bangkok ist auf das Wohl des Königsbads bedacht. Sie hat gerade 100 Millionen Baht bereitgestellt, um die Infrastruktur Hua Hins zu entwickeln und die Möglichkeiten für Touristen zu erweitern.

Unter anderem soll damit bis Ende 1995 die Abwasser-Entsorgung auf den neuesten Stand gebracht werden.

Nostalgische Pensionen, die – wie zum Beispiel das “Sirima”-Guesthouse – vom Festland in die Brandung vor Hua Hin hinausragen, werden aber vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören. Ihre Zimmer befinden sich als kleine Appartements auf einer langgestreckten Terrasse über dem Meer.

Nachts kann man bei Flut die Wellen unter dem Bett rauschen hören. Gemeinsame, lustige Abende sind vorprogrammiert, wenn über das Wochenende Thai-Familien und Studenten-Cliquen aus Bangkok die Pfahlbauten erobern und spontan zur Mekhong-Party mit Gitarre oder Thai-Pop aus dem Cassettenrecorder einladen. Morgens ersetzt eine kurze Kletterpartie über eine Leiter mit anschließendem Sprung in die erfrischenden Fluten das Duschbad.

Sechs Kilometer lang ist der feine Sandstrand von Hua Hin. Doch nur wenige baden im glasklaren Meerwasser, dessen Wellen am flachen Ufer sanft verebben. Thais hocken lieber im Schatten, stochern in den Felsen nach Meeresgetier oder feiern auf ausgebreiteten Decken ausgedehnte Familienfeste. Sie gucken auch gern den Fischerfrauen über die Schulter, die in der Brandung ihr Netzwerk reinigen. Am Ende der Bucht klammern sich buddhistische Tempel an schroffe Felsen.

Einer davon ist geformt wie ein Kopf, hat Hua Hin – übersetzt: “Steinerner Kopf” – seinen Namen gegeben. Dahinter beginnt wieder ein Strand: Er heißt “Hat Khao Tao”, ist von Pinien abgesäumt und noch abgeschiedener. Natürlich weht auch hier der frische Seewind von Hua Hin, der in heißen Sommerwochen seit Jahrzehnten sogar die Königsfamilie (unter anderem zum Segeln) anlockt. Daß es sich hier sehr gut aushalten läßt, wußte auch schon König Prajadhibok (Rama VII): Ende der 20er Jahre ließ er sich den Palast “Klai Klangwon” – zu deutsch: Fern aller Sorgen – an die Küste setzen.

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