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Thailand

Nakhon Si Thammarat Coronavirus Covid-19 in Thailand

Der Vergleich hinkt: Thailand, das “Mallorca” Südostasiens. Und dennoch, wer dem Rummel von PattayaKo Samui oder Phuket enfliehen will, muß wie auf der spanischen Insel tiefer in das Land eindringen, ohne wie dort die Küsten zu meiden. Selten verirren sich Farangs  in den muslimischen Süden mit den goldglänzenden Kuppeln der Moscheen. Man findet sie häufiger als die geschwungenen Dächer buddhistischer Tempel.

Einfallstor ist Nakhon Si Thammarat, ein kulturelles und historisches Zentrum Thailands, eine Provinzhauptstadt von fesselnder Atmosphäre. Nakhon, wie es die Thais kurz nennen, ist eine der ältesten Städte Siams und hat in der Geschichte unter dem Namen Ligor eine bedeutende Rolle gespielt.

Lange vor der Eroberung durch das Shrividjaya-Reich erwähnen chinesische Geschichtsschreiber bis zum 5. und 6. Jh. Ligor oder auch Lagor als Hauptstadt des Tambralinga-Königreiches, das von Funan, einem mächtigen Reich im Zentrum von Indochina, unterworfen wurde. Wir wissen bis heute nicht, wer die Bewohner Funans waren. Die Historie ist durch Überlieferungslücken recht unübersichtlich und wird noch verwirrender durch die Ansprüche der Khmer und der Dynastien Shrividjaya und Shailendra, Nachfolger von Funan zu sein.

Die sinisierte Form Funan des alten Khmer-Wortes bnam (modern phnom) bedeutet Berg und hat bei dem Herrscher-Titel “König des Berges” Pate gestanden.

Fest steht, daß buddhistische Mönche bei der Indisierung ein Kloster in Ligor errichteten und der Stadt den Sanskrit-Namen Nagara Sri Dhammaraja gaben, Stadt des Heiligen Dharma-Königs; das heißt in Thai Nakhon Si ThammaratSuryavarman I. (1002-1050), einer der größten Könige Angkors, war ein Fürst aus Ligor.

Einige Archäologen glauben, die einstige Hafenstadt selbst sei Mittelpunkt des Shrividjaya-Reiches (Ende des 7. Jh.-1049) gewesen. Auch seine Kultur kennen wir nur aus Berichten chinesischer Autoren, die ihren Glanz rühmen und vor allem die Blüte, die der Buddhismus dort erlebte.

Die aufstrebende Macht Shrividjaya verlegte jedenfalls nach dem Sieg über Malayu die Hauptstadt von der Malaiischen Halbinsel nach Palembang auf Sumatra, das – damals verlief die Küstenlinie ganz anders als heutzutage – zum Teil auf kleinen Inseln vor der Meeresküste lag.

Die Seemacht rangelte sich ständig mit Fürsten aus Java um die Vorherrschaft. Im Jahre 732 tritt Mitteljava mit König Sanjaya in die Geschichte ein; die Dynastie herrschte bis zum Anfang des 10. Jh. Eine andere, wichtigere und historisch besser dokumentierte war die der Shailendra. Die beiden Mächte standen sich in wechselnder Stärke gegenüber, arbeiteten aber beim Bau buddhistischer Heiligtümer zusammen, auch wenn im 8. Jh. Shailendra die Oberhand hatte.

Die “Herren der Berge” beherrschten den südlichen Teil des Chinesischen Meeres, das ganze westliche Insulinde, Sumatra, die Malaiische Halbinsel und hier besonders das Gebiet um Ligor. Im Jahre 774 überfiehlen sie die Küsten der Cham, drangen bis Tonking vor. Politischer Erfolg verstärkte den Handel und löste kulturelle Expansionen aus:

Die buddhistische Kunst der Shailendra ist Ausdruck eines mächtigen Stromes des Mahayana-Glaubens, der in Pala-Indien aufkam und von den Bewohnern Sumatras verbreitet wurde. Die Herrscher erbauten so wunderbare Tempel wie den Borobodur auf Java, der das schönste Zeugnis des Mahayana-Buddhismus darstellt, das Asien kennt.

Wenn man bedenkt, daß Jayavarman II. (802-850), der Befreier von javanischer Bevormundung und Begründer der Macht Angkors, 790 vom Hofe der Shailendra, tief beeindruckt von der javanischen Kultur, in seine Heimat zurückkehrte, begierig, sie nachzuahmen, spannt sich ein Kulturbogen von Ligor über Borobodur und Angkor zurück nach Siam.

Die Ehe der letzten javanischen Shailendra-Prinzessin mit einem Fürsten der Sanjaya-Dynastie beendet eine glänzende Epoche; die Shailendra-Dynastie war seitdem das Fürstengeschlecht Shrividjaya. Die Spuren des Shrividjaya-Stils finden wir noch heute in Nakhon.

Der Lageplan der Stadt ist unverändert geblieben, aber das Zentrum hat sich nördlich der alten, zum Teil noch erhaltenen Befestigungen verschoben. Noch im 13. Jh. lag die Stadt am Meer. Achille Clarac schreibt 1971 in seinem immer noch lesenswerten Thailand-Kunst- und Reiseführer sinngemäß:

“Obgleich Nakhon Si Thammarat heute noch isoliert ist, verspricht ihm doch die Fruchtbarkeit seiner Umgebung einen sicheren Aufschwung. Sobald erst einmal die Verbindung nach Norden mit Surat Thani und südwärts über Pak Phanang direkt mit Songkhla hergestellt ist, dürfte es sich zweifellos noch schneller als bisher entwickeln. Es ist eine saubere, vornehm wirkende Stadt. Da Nakhon Si Thammarat längs einer langen zentralgelegenen Straße erbaut ist, die sich an einem Uhrturn in zwei Teile teilt, bekommt man alles zu sehen, was die Stadt an Interessantem zu bieten hat, wenn man vom Markt aus nach Süden geht.”

Clarac hatte ein sicheres Auge für die Verkehrsentwicklung und den wirtschaftlichen Höhenflug der Stadt. Verweilen wir einen Augenblick auf dem quirligen Straßenmarkt in den schmalen Gassen gegenüber vom Bahnhof: Hier pulsiert das thailändische Alltagsleben, hier wird noch gehandelt und gefeilscht und der Tourist – falls es denn einen gibt – nicht ‘abgezockt’ wie an überlaufenen Stellen, die ‘im Trend’ liegen. Wie sagt so schön unser Durianhändler:

“In Nakhon bekommst Du als Tourist alles, was Du brauchst, was wir nicht führen, benötigst Du auch nicht.” Das könnte ein Hong Kong-Chinese nicht besser ausdrücken. Apropos Durian: Die ‘Königin der Früchte’ macht sozusagen süchtig. Wer ihr verfallen ist, wird sie auch außerhalb der Saison – April bis August – aufzuspüren versuchen.

Das ist ein mühseliges und kostpieliges Unterfangen. Aber in Nakhon wird der Gourmet immer fündig, zu nur leicht überhöhten Preisen.

Bummelt man auf der Ratchdamnoen an der Moschee vorbei nach Süden, sollte man zumindest auf dem Gelände des Rathauses in der Halle Ho Phra Sihing einen Blick auf die heilige Statue Phra Buddha Sihing werfen. Der Legende nach wurde dieser Buddha von Cylon nach Siam verbracht, nur weiß kein Mensch, ob das Original in Nakhon, Bangkok oder Chiang Mai steht, weil drei Klöster von drei Figuren behaupten, das alte Stück zu besitzen.

Warscheinlich haben einheimische Künstler der Sukhothai-Periode die Arbeiten gefertigt; singhalesische Einflüsse sind nicht zu erkennen. 500 m vorher stehen zu beiden Seiten der Straße zwei kleine Wat aus der Shrividjaya-Epoche, rechts der Ho Phra I Suan mit fünf steinernen Lingas im Innern, links der brahmanische Ho Phra Narai.

Hinter der Staßengabelung am Glockenturm erreicht man das Wat Mahathat, zweifellos das älteste, bedeutendste und berühmteste Bauwerk in Nakhon. Es wird hochverehrt und vornehmlich im Oktober von vielen Pilgern aufgesucht. König Si Thanna Sokarat soll es begründet haben, Archäologen bestätigen die Bauzeit vom 7. bis 12. Jh. n der Shrividjaya-Epoche.

Es gibt viele Klöster in Thailand, die wes tlichen Besuchern einen Funken der religiösen Stimmung übermitteln könnten, die gerade dem Budhismus eigen ist, aber leider sind die schönsten einem Touristenrummel verfallen, der früher nur katholischen Wallfahrtsorten vorbehalten war. Dieses Wat bildet noch eine Ausnahme.

Es hat die Form eines großen, mit farbigen Ziegeln gedeckten Wandelganges, der an Kreuzgänge mittelalterlicher Klöster in Europa erinnert. In seinem Zentrum ragt der 77 m hohe Chedi im ceylonesischen Stil wie eine aufliegende Glocke mit vergoldeter Spitze in den Tropenhimmel, umrahmt von unzähligen kleinen Chedis, die in stiller Betrachtung das große Heiligtum zu verehren scheinen. Fasziniert wird man zwischen Blumenbeeten ein Plätzchen suchen, um dieser Hingabe andachtsvoll beizuwohnen.

Die mehr als hundert Buddhastatuen in den Wandelgängen verstärken die Erschauern machende Wirkung des Göttlichen. Hat in der europäischen Mystik der gläubige Mensch nicht versucht, durch Versenkung zu persönlicher Vereinigung mit Gott zu gelangen? Verzeihen Sie die Abschweifung, denn S ie sollten nicht versäumen, den Klosterschatz zu besichtigen! Um halb fünf wird das ganze Watgelände geschlossen. Wäre schade, wenn man sich in ‘Ligor’ den unter einer Naga sitzenden Buddha im Shrividjaya-Stil entgehen lassen würde.

Fußkranke werden aufstöhnen, wenn die Autoren noch das Nationalmuseum empfehlen. Aber es muß ja nicht alles an einem Tag sein!

Liebhaber des Schattenspiels haben an Festtagen die Chance, in Nakhon traditionelle Aufführungen zu sehen. Im Handicraft Center des südlichen Tempelbereichs von Wat Mahathat kann man neben Kunstgewerbeartikeln der Region auch die flachen Figuren des Wayang-kulit-Spiels (wayang=Schatten, Gespenst; kulit=Leder) erstehen. Aber wer wirklich alte Lederpuppen sucht, muß eine Werkstatt für diese aussterbende Kunst aufsuchen.

Nach soviel Kultur lockt die Natur. Das die Stadt beherrschende, 1835 m hohe, dschungelbedeckte Gebirgsmassiv Khao Luang, seit 1974 Nationalpark mit 571 km2, liegt nur 29 km westlich der Stadt. Es ist trotz herrlicher Wasserfälle und Grotten wenig bekannt und wartet darauf, von Farangs entdeckt zu werden.

Heinz & Rainer Pollmeier

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